«Ich will mich nicht auf drei Themen einschränken. Aber ich will auch nicht, dass jemand auf mein Profil kommt und denkt, was macht die eigentlich.»
Diesen Satz hab ich jahrelang selbst gesagt. Und ich hab jahrelang die falsche Antwort darauf gesucht.
Ich dachte, ich müsste mich entscheiden, worüber ich posten darf. Also hab ich Listen gemacht. Drei Content-Säulen, so wie man das eben hört. Dann fünf. Dann wieder drei. Jedes Mal hab ich etwas rausgeworfen, was eigentlich zu mir gehört, und jedes Mal hat es sich nach zwei Wochen falsch angefühlt, und ich hab es wieder reingenommen.
Bis mir vor ein paar Wochen jemand von aussen den Satz hingelegt hat, an dem alles hängt:
Das Problem waren nie meine vielen Themen. Das Problem war, dass sie alle gleich wichtig aussahen.
Du kannst verschiedene Themen zeigen und trotzdem verständlich bleiben. Hilfreich ist, wenn eine neue Leserin erkennen kann, welches Angebot zu welchem Thema gehört. Du musst dafür nicht alle Interessen in einen einzigen Beitrag packen. Nimm dir für den nächsten Post eine Frage vor und erkläre sie so, dass jemand ohne Vorgeschichte mitkommt.
Was eine Fremde nach deinem Beitrag denken soll
Ich hab meinen Content seit ein paar Wochen umgestellt und plane ihn nicht mehr nach Themen. Nicht mehr KI, Notion, Content, Klarheit, Community, Sichtbarkeit, Haare, Öle und ich selbst nebeneinander in einer Liste, wo jedes gleich gross aussieht.
Ich sortiere nach der Aufgabe, die ein Stück für eine Fremde hat. Und da gibt es bei mir eigentlich nur vier.
| Aufgabe | Was sie danach denken soll |
|---|---|
| Erkennen | «Oh. Genau da häng ich gerade.» |
| Sehen | «Die sieht Sachen, die ich selbst übersehe.» |
| Machen | «Ah. So könnte ich jetzt weiterkommen.» |
| Ich | «Jetzt versteh ich die Frau dahinter.» |
Erkennen und Sehen machen dich führend für die, die du erreichen willst. Machen beweist, dass du nicht nur klug redest, sondern Dinge auch fertig kriegst. Und der vierte Teil verhindert, dass daraus eine sterile Business-Marke wird, die aussieht wie tausend andere.
Du brauchst alle vier. Halt nicht zu gleichen Teilen, und nicht auf jedem Kanal in derselben Mischung.
Instagram: hier muss man dich schnell kapieren
Instagram ist bei mir der Kanal für Nähe und Beobachtung. Nicht mein Lexikon. Das hab ich lange andersherum gemacht, und es hat halt nie funktioniert.
Zwei Stücke pro Woche, die etwas erkennbar machen. Eins, das zeigt, wie ich etwas gemacht hab. Und im Alltag laufen die Stories, da darf alles rein.
So ein Stück fängt zum Beispiel so an:
«Sie sagt mir, ich weiss einfach nicht, was ich posten soll. Zehn Minuten später hab ich sechs Content-Ideen auf meinem Zettel. Ihr fehlen keine Ideen. Sie erkennt ihre eigenen nur nicht mehr als Content.»
Das verkauft meinen Blick, ohne dass ich irgendein Angebot nennen muss. Und es kostet mich keine Vorbereitung, weil es schon passiert ist.
Und ein anderes Stück in derselben Woche darf völlig praktisch sein. «Ich wollte eine Umfrage auf meiner Webseite, aber ich wollte dafür nicht noch ein Werkzeug und noch ein Abo.» Dann zeig ich, wie ich es stattdessen selbst gebaut hab. Das ist kein Bruch in Richtung Technik, das ist der Beweis, dass ich pragmatische Sachen hinkriege.
Und am selben Tag darf in der Story halt meine Haarwäsche auftauchen.
Der Feed muss eine Fremde orientieren. Die Stories dürfen dein ganzes Leben atmen. Deshalb gehören auch die ersten drei Highlights, die sie sieht, nicht deinem Privatleben. Die erste Bildschirmbreite muss zuerst beantworten, warum sie dir geschäftlich weiter zuhören sollte. Danach darf deine ganze Welt aufgehen.
Wenn du gerade nicht weisst, an welcher Stelle es bei dir klemmt, dann fang damit an. Fünf Fragen, zwei Minuten, und am Ende siehst du, worum es bei dir gerade wirklich geht. Kostenlos, ohne Eintragen.
LinkedIn: weisst du, was mir gerade auffällt
Hier mach ich inzwischen weniger Anleitung, als man denken würde. LinkedIn ist bei mir der Ort für Beobachtungen.
«Ich glaub nicht, dass Selbständige zu wenig wissen. Eher das Gegenteil. Sie haben ChatGPT gefragt, drei Kurse gemacht, siebenundzwanzig Tabs offen, eine Webseite, ein Angebot, einen Contentplan. Und trotzdem hängt es. Nicht weil noch eine Information fehlt, sondern weil es verdammt schwer ist, das eigene Geschäft von aussen anzuschauen.»
Dann ein konkretes Beispiel, und am Schluss die Ergebnisvorschau. Also der Satz, der zeigt, wie es danach aussieht.
KI, Notion und Content dürfen da vorkommen, aber als Fall und nicht als Dach. «Ich hab heute mit Claude dies und das gemacht» ist wenig interessant. «Ich dachte, ich brauch dafür ein neues Werkzeug. Brauchte ich nicht.» ist interessant.
Zwei Beobachtungen die Woche reichen mir da eigentlich völlig.
Blog: hier darf deine Vielseitigkeit richtig gross werden
Auf dem Blog beschneide ich mich eigentlich gar nicht, und das hat einen einfachen Grund. Leute, die über Google kommen, kommen nicht wegen deines gesamten Auftritts. Sie kommen wegen einer konkreten Frage.
Deshalb steht bei mir ein Artikel über Texte, die angeblich nach KI klingen, neben einem über Umfragen ohne Werkzeug, und daneben stehen Haare und Öle. Nicht jeder Artikel muss deine komplette Positionierung beweisen.
Bei den Geschäfts-Artikeln bau ich aber inzwischen immer meinen Blick von aussen mit ein. Und deshalb schreib ich diesen hier, obwohl er auf den ersten Blick gar nicht nach meinem Thema aussieht.
Pinterest ist eine Suchmaschine, keine Bühne
Da hab ich am wenigsten Angst vor Themenbreite. Ein Pin muss nicht erklären, wer ich in meiner ganzen Breite bin. Seine Aufgabe ist: Suchproblem, Klick, passende Seite. Erst die Seite ordnet mich ein.
Deshalb darf Pinterest schon deutlich werkzeugiger aussehen als meine Startseite. Nur der Profilname sollte nicht behaupten, dass ein einzelnes Thema mein ganzes Geschäft ist. Das ist der Unterschied zwischen Suchabsicht und Positionierung, und den hab ich lange nicht auseinandergehalten.
Newsletter: der Küchentisch
Hier formatier ich mich am wenigsten. Der Montags-Impuls darf einfach das sein: mir ist diese Woche was aufgefallen.
Mal kommt die Geschichte aus einem Kundinnengespräch. Mal aus Claude. Mal aus meiner eigenen Webseite. Mal aus der Kita. Und nicht jedes persönliche Erlebnis braucht zwanghaft eine Geschäftsmoral hinten dran.
Der Newsletter ist der Ort, an dem meine Leserinnen mitkriegen: die denkt quer, und deshalb sieht sie Zusammenhänge. Das ist Vielseitigkeit als Können und nicht Vielseitigkeit als Zielgruppe.
Die Ergebnisvorschau ist der rote Faden, nicht das Angebot
Das ist der Teil, der mir am wichtigsten ist. Du musst nicht ständig Angebote nennen. Du kannst viel öfter einfach zeigen, wie es nach deinem Blick aussieht.
Also nicht «ich helfe dir zu Klarheit», sondern:
| Vorher | Nachher |
|---|---|
| «Meine Webseite funktioniert einfach nicht.» | Die Webseite ist gar nicht das Problem. Auf Instagram versteht niemand, warum er überhaupt draufklicken soll. |
| «Ich brauch einen Contentplan.» | Zehn Themen liegen auf dem Tisch, die sie mir gerade selbst erzählt hat. |
| «Ich brauch wahrscheinlich ein neues Werkzeug.» | Das Ding läuft in WordPress, ohne neues Abo. |
| «Ich hab zu viele Angebote.» | Kein Angebot gelöscht. Nur entschieden, welches vorne stehen darf. |
Das ist Ergebnisvorschau. Nicht das grosse «danach ist dein Business verwandelt», sondern der Moment, in dem etwas plötzlich anders aussieht als zwanzig Minuten vorher.
Mehr braucht es eigentlich nie.
Die Frage, die ich mir ab jetzt stelle
Bevor ich etwas veröffentliche, frag ich mich nicht mehr, ob das Thema zu meiner Positionierung passt. Ich frag zwei andere Sachen:
Welche Aufgabe hat dieses Stück? Erkennen, Sehen, Machen oder ich?
Und wenn mich jemand nur durch dieses eine Stück kennenlernt, weiss sie danach wenigstens, wo sie bei mir gelandet ist?
Wenn ja, darf es raus. So kann ich morgen über Claude schreiben, übermorgen über eine Kundin, am Freitag über meine Umfrage und am Wochenende Haare in der Story zeigen, ohne dass daraus vier Positionierungen werden.
So einfach.
Dein Takeaway
Nimm deine letzten zehn Beiträge und schreib hinter jeden eine der vier Aufgaben: Erkennen, Sehen, Machen, Ich. Du wirst wahrscheinlich sehen, dass drei davon fast leer sind und eine überquillt.
Du musst dafür nichts löschen und kein Thema aufgeben. Du entscheidest nur, welches gerade die Tür ist, durch die eine Neue dich kennenlernt.
Denn vielleicht brauchst du wirklich nicht weniger Themen. Bei mir stehen KI, Notion, Content, Gemeinschaft und einiges mehr weiter nebeneinander. Sie stehen bloss nicht mehr alle vorne an der Tür.
Vorne steht inzwischen etwas anderes: ich schau mit dir auf die Stelle, an der du gerade hängst. Was wir dafür brauchen, finden wir danach schon heraus.
Füchsische Grüsse, Diana 🦊
Heisst das, Content-Säulen sind Unsinn?
Nein. Sie sind nur die falsche Sortierung für Leute mit vielen Interessen. Säulen sortieren nach Thema, und wenn du sechs Themen hast, kriegst du sechs Säulen und bist genauso ratlos wie vorher. Aufgaben sortieren nach dem, was ein Stück bei einer Fremden auslösen soll, und davon gibt es nur vier.
Wie viel Privates darf denn rein?
Viel, aber nicht überall gleich viel. Im Feed und auf dem Profil geht es zuerst darum, dass eine Fremde dich einordnen kann. In den Stories, im Newsletter und in Nebensätzen darf dein ganzes Leben vorkommen. Das ist keine Einschränkung, das ist bloss eine Reihenfolge.
Und wenn ich mehrere Angebote habe, die nichts miteinander zu tun haben?
Dann behältst du sie und entscheidest, welches vorne an der Tür steht. Die anderen bleiben erreichbar, über den Blog, über Pinterest, über deine Linkseite. Löschen musst du nichts. Du musst nur aufhören, alles gleichzeitig gleich laut zu sagen.
Ich seh bei mir selbst nicht, welche Aufgabe fehlt. Was dann?
Das ist normal, und es ist genau der Punkt. Von innen erkennst du deine eigenen Muster am schlechtesten. Dafür gibt es eine Stunde zu zweit, in der wir deine letzten Beiträge nebeneinanderlegen und du siehst, was du selbst nicht mehr siehst.
Wenn du gern weiter mitlesen möchtest:
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