Du landest grade zum ersten Mal hier?
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Du sitzt am Tisch, jemand fragt «und was machst du jetzt eigentlich beruflich?», und du fängst an zu erzählen. Nach dem dritten Satz siehst du, wie der Blick weich wird. Freundlich bleibt er, und weg ist er trotzdem.
Dann kommt der Satz, der alles zusammenfasst: «Schön, dass du was gefunden hast.» So.
Und dann, auf dem Heimweg, gehst du das Gespräch nochmal durch. Du überlegst, an welcher Stelle du es hättest anders sagen müssen. Kürzer vielleicht. Vielleicht ohne den zweiten Teil. Vielleicht wäre es angekommen, wenn du mit einem Beispiel angefangen hättest statt mit dem Wort, das keiner kennt.
«Niemand versteht mein Business», das hab ich in den letzten Monaten von mehreren Frauen fast wortgleich gehört, und jede hat es gesagt, als wäre es ihr eigener Fehler. Als hätte sie es halt nur noch nicht gut genug erklärt.
Ich glaub ja, wir feilen alle am falschen Ende. Genau.
Warum der Satz «niemand versteht mein Business» nichts über deine Erklärung sagt
Ich hab lange gedacht, ich müsste einfach besser werden im Erklären. Kürzer, klarer, mit so einem Satz, den man sich merkt. Also hab ich am Satz gefeilt, jahrelang.
Was ich dabei übersehen hab: die Leute am Tisch haben nicht gefragt, weil sie es wissen wollten. Sie haben gefragt, weil man das eben fragt, so wie «und, wie geht’s der Kleinen?». Und für deine Antwort suchen sie in ihrem Kopf eine Schublade, die es dort schon gibt: Angestellte, Handwerk, Laden, Praxis. Wenn nichts davon passt, machen sie die freundlichste Schublade auf, die sie haben, und auf der steht «schön für dich».
Das ist ja kein böser Wille, das ist halt einfach kein Wissen, oder.
Und deshalb wird es auch nicht besser, wenn du deinen Satz noch dreimal schärfst. Ich hab meinen geschärft, bis er sass, und am Tisch wurde trotzdem genau gleich genickt. Ja.
Machst du auch mehr als eine Sache?
Genau danach frag ich gerade. Vier bis sechs Minuten, anonym, und jede Frage darfst du leer lassen. Was dabei rauskommt, schreib ich im Oktober auf, und du kriegst das Ergebnis per Mail, wenn du magst.
Zuspruch hört sich schön an und hilft dir am Dienstag nicht
Was du zuhause und im Umfeld bekommst, ist meistens Zuspruch. Sie meinen es gut, sie freuen sich für dich, sie fragen ab und zu nach, wie es läuft. Das ist warm, das ist ehrlich gemeint, und es trägt dich trotzdem nicht durch den Dienstagnachmittag.
Der geht nämlich so. Halb drei, der Laptop steht offen, du hängst seit zwei Stunden an derselben Stelle, und du weisst genau, wen du jetzt fragen könntest: niemanden. Deine beste Freundin würde sagen «du machst das schon», deine Mutter würde fragen, ob du auch mal Pause machst, und beides stimmt ja sogar. Nur sitzt du danach halt weiter da.
Der Unterschied hört sich klein an. Zuspruch sagt: «Du schaffst das schon.» Und jemand, die deine Art Arbeit kennt, sagt stattdessen: «Warte mal, wo genau hängst du gerade?» Der erste Satz macht warm. Der zweite räumt dir den Dienstag frei.
Ich merk das inzwischen sofort. Nach Zuspruch fühl ich mich gesehen und bin trotzdem allein damit. Nach einer halben Stunde mit jemandem, die das Thema kennt, hab ich manchmal gar keine Lösung, und trotzdem sitz ich anders da. Schultern unten, eine Sache sortiert, und ich weiss, was ich morgen früh als Erstes mache. Ja.
Und ich glaub, an dem Punkt hören viele Frauen auf, überhaupt noch zu erzählen. Beleidigt ist da keine. Es wird halt einfach anstrengend, wenn danach nichts zurückkommt. Du merkst es daran, dass deine Antworten kürzer werden. Beim ersten Mal erzählst du zehn Minuten. Beim fünften Mal sagst du «läuft ganz gut» und fragst zurück, wie es bei ihnen ist.
Und irgendwann bist du wirklich allein damit, obwohl am Anfang bloss ein Missverständnis am Tisch stand. So.
Du erzählst gerade auch niemandem mehr, woran du wirklich arbeitest?
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Mit mehr als einer Sache wird es noch schwieriger
Wer eine einzige klare Sache macht, kann sie benennen. «Ich bin Fotografin.» Fertig, die Schublade geht auf. Wer drei Sachen macht, die zusammengehören, aber halt in kein einzelnes Wort passen, kriegt beim Erzählen noch ein Problem dazu: dein Gegenüber hört auf zu folgen, bevor du überhaupt beim zweiten Teil bist. Du siehst es am Nicken, das zu früh kommt, und dann redest du schneller, weil du merkst, dass dir die Aufmerksamkeit wegläuft. Und je schneller du redest, desto weniger kommt an.
Ich kenn das gut, ich hab ja selbst mehr als ein Thema, und ich hab ewig gebraucht, um zu sehen, dass das gar kein Erklärproblem ist. Mehr dazu steht in meinem Beitrag zur Blogparade über vielseitige Selbständigkeit, wo eine ganze Reihe Frauen dasselbe beschreibt.
Geholfen hat mir am Ende, aufzuhören, es Leuten zu erklären, die es gar nicht brauchen. Meine Nachbarin muss nicht wissen, was ich mache. Sie muss mich mögen. Genau.
Was wirklich hilft, wenn niemand dein Business versteht: ein zweiter Tisch
Am Küchentisch zuhause kriegst du das Mögen. Das Verstehen kriegst du an einem zweiten Tisch, und an dem sitzt jemand, die dieselbe Art Arbeit macht wie du.
Ich mein damit ja nichts Grosses, ein Saal voller Namensschilder muss das nicht sein. Eine Person reicht schon, zwei sind besser. Wichtig ist bloss, dass du bei ihr mitten im Satz anfangen kannst, weil der Anfang schon bekannt ist. Wie echte Beziehungen im Business entstehen, hab ich mal separat aufgeschrieben, und es ist erstaunlich unspektakulär.
An so einem Tisch klingt es dann so: «Ich häng bei den Preisen.» Und die andere sagt «zeig mal» statt «das wird schon». Keine Vorgeschichte, kein Erklären, wer du bist und was du machst. Du fängst da an, wo es weh tut, und nach zwanzig Minuten hast du entweder eine Antwort oder wenigstens die richtige Frage.
Drei Sachen, die bei mir wirklich was geändert haben:
- Am Tisch zuhause nicht mehr erklären. Ein freundlicher kurzer Satz reicht, zum Beispiel «ich helfe selbständigen Frauen, ihr Business zu sortieren», und dann redet ihr über was anderes. Das schont euch beide.
- Eine feste Runde statt vieler loser Kontakte. In einer festen Runde musst du nicht jedes Mal von vorn anfangen, und genau dieses Von-vorn-Anfangen ist das Anstrengende.
- Aufschreiben, wenn gerade niemand da ist. Nimm ein Heft oder eine Notiz-App und schreib den Gedanken auf, damit er nicht dreimal im Kopf im Kreis läuft, bis endlich jemand zuhört.
Der dritte Punkt klingt am unscheinbarsten und hat bei mir am meisten gebracht. Vieles, was ich vorher halt nur mit mir selbst besprochen hab, steht heute an einem Ort, und aus einem erstaunlich grossen Teil davon ist irgendwann Content geworden. Wie ich das mit Claude und Notion sortiere, hab ich hier beschrieben.
Deine Nachbarin muss dich nicht verstehen, sie muss dich mögen
Ich hab eine Weile gedacht, ich müsste mich entscheiden. Entweder die Leute verstehen mich, oder ich bin hier falsch. Das war Unsinn. So.
Die meisten Menschen in deinem Umfeld sind ja gar nicht deine Kolleginnen. Sie sind deine Nachbarn, deine Familie, deine Freundinnen aus einer Zeit, in der du noch etwas ganz anderes gemacht hast. Die müssen dein Geschäftsmodell nicht kennen, um wichtig zu sein, und du musst dich vor ihnen auch nicht beweisen. Wie schnell man da in eine Rechtfertigung rutscht, hab ich in was mir niemand über die Selbständigkeit gesagt hat ausführlicher aufgeschrieben.
Du brauchst eigentlich beides, halt an zwei verschiedenen Tischen. Zuhause das Mögen, woanders das Verstehen. Der Fehler ist ja bloss, beides von denselben Leuten zu erwarten. Genau.
Zum Mitnehmen: Du brauchst beides, nur nicht von denselben Leuten. Zuhause kriegst du das Mögen, das Verstehen holst du dir an einem zweiten Tisch, und dafür reicht eine einzige Person, die dieselbe Art Arbeit macht. Hör auf, deinen Satz zu schärfen, und such stattdessen die eine, bei der du mitten im Satz anfangen kannst.
Wie erkläre ich mein Business in einem Satz, wenn es mehrere Themen sind?
Am Tisch gar nicht. Dort reicht der kleinste wahre Satz, zum Beispiel «ich helfe selbständigen Frauen beim Sortieren». Die lange Fassung brauchst du nur da, wo jemand wirklich Kundin werden könnte, und dort hast du auch mehr als drei Sätze Zeit.
Ist es schlimm, wenn meine Familie nicht versteht, was ich mache?
Es ist unangenehm und es ist nicht schlimm. Deine Familie kennt dich, sie kennt halt deine Arbeit nicht, und das muss sie auch nicht. Schwierig wird es erst, wenn du aufhörst, dir das Verstehen woanders zu holen, weil du glaubst, es müsste von zuhause kommen.
Woran merke ich, dass ich mich nur noch rechtfertige?
Daran, dass du Zahlen nennst, um die niemand gebeten hat. Sobald du anfängst, Umsatz, Stunden oder Kundinnen aufzuzählen, redest du gegen einen Zweifel an, den vielleicht nur du gehört hast.
Wo finde ich Leute, die dasselbe machen wie ich?
Dort, wo sich klein und regelmässig getroffen wird statt gross und einmalig. Eine feste kleine Runde bringt mehr als zehn Netzwerkveranstaltungen, weil du nicht jedes Mal von vorn anfangen musst.
Und wenn dich das Erklären mehr Kraft kostet als das Tun, dann liegt das oft am Tempo, in dem du sichtbar sein willst. Wie das leiser geht, ohne dass du jeden Tag auftauchen musst, hab ich hier aufgeschrieben: Leise Sichtbarkeit aufbauen, ohne Instagram-Dauerstress.
Wenn gerade niemand nachfragt
Dann fang mit einem einzigen Tisch an, und einer reicht wirklich. Bei mir ist das jeden Mittwoch so eine kleine Runde, und meistens reichen schon eine halbe Stunde und ein Mensch, der an der richtigen Stelle nachhakt und fragt: «und woran hängt’s jetzt genau?»
Und wenn du danach den Laptop zuklappst, ist das Ding im Kopf nicht kleiner geworden. Es liegt bloss nicht mehr auf dir drauf. Ja.
Jeden Mittwoch, kleine Runde, kein Netzwerken mit Visitenkarten.
Du bringst mit, was gerade kreist, und jemand fragt nach. Zum Hafen →
Füchsische Grüsse, Diana 🦊


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