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Es ist kurz nach neun am Abend, und in deinem Posteingang liegt eine Nachricht von einer Kollegin. Ihr habt über Reichweite geschrieben, über diese Accounts, die plötzlich unter deinen Beiträgen auftauchen und die niemand bestellt hat. Sie schreibt, sie weiss halt nicht, ob die gut oder schlecht für die Reichweite sind. Und dann, direkt hinterher, dieser eine Satz.
Siehste mal, ich check schon wieder gar nichts.
Diese Frau ist seit Jahren selbständig, sie verdient Geld, sie hat Kundinnen, die wiederkommen. Und sie schreibt über sich selbst, dass sie nichts checkt, in dem Ton, in dem man über eine Macke redet, die man schon ewig mit sich rumträgt. Instagram verstehen ist bei ihr längst zu einer Sache geworden, bei der sie sich eigentlich nur noch schlecht fühlt.
Zwei Sätze, die im selben Gespräch stehen
Ein paar Zeilen vorher, im selben Verlauf, steht noch etwas. Sie erzählt, dass sie seit einer Weile weniger Werbung postet und dass es seitdem besser läuft, und schreibt dazu, das hätte man ihr eigentlich mal früher sagen können, dass sie mit weniger Aufwand mehr verdient.
Lies die beiden Sätze nochmal hintereinander. Im ersten hält sie sich für ahnungslos, im zweiten beschreibt sie die vielleicht wichtigste Beobachtung, die sie dieses Jahr über ihr eigenes Geschäft gemacht hat, und sie merkt es nicht mal.
Das passiert nicht, weil sie sich kleiner macht, als sie ist. Das passiert, weil sie zwei völlig verschiedene Dinge in denselben Topf wirft. Das eine ist die Mechanik, also wie ein Kanal funktioniert, was die Reichweite hebt und was sie drückt. Das andere ist, was bei Menschen ankommt. Und nur eines davon lässt sich überhaupt verstehen.
Instagram verstehen wollen, wo es nichts zu verstehen gibt
Ob so ein fremder Account deiner Reichweite schadet, kann dir niemand seriös beantworten, auch nicht die Leute, die dir Kurse dazu verkaufen. Die Regeln ändern sich laufend, sie gelten nicht für alle gleich, und was bei einer funktioniert hat, tut es bei der nächsten halt einfach nicht.
Wenn du also vor dieser Frage sitzt und dich dumm fühlst, dann sitzt du vor einer Frage, die gar keine stabile Antwort hat. Das Gefühl, nichts zu checken, ist an der Stelle keine Schwäche, es ist eine völlig korrekte Wahrnehmung. Da ist wirklich nichts zu checken. So.
Ich hab eine ganze Weile gebraucht, bis ich das für mich sortiert hatte. Ich hab Tutorials gespeichert, Reichweiten-Erklärungen gelesen, und danach war ich genauso schlau wie vorher, nur mit mehr offenen Tabs. Irgendwann hab ich halt aufgehört, die Mechanik verstehen zu wollen, und angefangen zu schauen, was schon passiert, wenn ich eine einzige Sache anders mache. Darüber hab ich auch in Die Krux mit Social Media geschrieben.
Du hast auch so eine Beobachtung, die du für Zufall hältst?
Bring sie mit in die Business-Kaffeeküche. Jeden Mittwoch, kleine Runde, kein Netzwerken mit Visitenkarten, und jemand schaut mit dir drauf.
Was du dagegen sehr wohl checkst
Zurück zu ihrem zweiten Satz. Sie hat weniger Werbung gepostet, und es lief besser. Das ist kein Zufall und schon gar kein Algorithmus-Trick. Ja.
Wer aufhört, ständig sein Produkt zu nennen, fängt eigentlich automatisch an, etwas anderes zu zeigen. Wie der Alltag aussieht, was sich verändert hat, wie sie morgens aufsteht und was heute anders ist als vor einem Jahr. Und das kaufen Menschen, nicht die Flasche, nicht den Kurs, nicht die Dienstleistung, sondern den Zustand, in dem sie sich danach vermuten.
Sie hat also nicht weniger gearbeitet und mehr Glück gehabt. Sie hat aufgehört, über die Sache zu reden, und angefangen, über das Leben mit der Sache zu reden. Das ist eine der wenigen Regeln, die wirklich stabil bleiben, und sie hat sie ganz allein gefunden, ohne Kurs, nur durchs Hinschauen. Genau.
Warum ausgerechnet die Erfahrenen so über sich reden
Mir fällt auf, dass dieser Satz fast nie von Anfängerinnen kommt. Wer gerade erst gestartet ist, sagt eher, dass sie ja noch am Lernen ist. Der Satz ich check gar nichts kommt von Frauen, die schon seit Jahren dabei sind.
Das liegt daran, dass die Ansprüche mitwachsen. Nach drei Jahren erwartest du von dir, dass du das eigentlich beherrschst, und jede Lücke fühlt sich dann nicht mehr wie eine Lernaufgabe an, sondern wie ein Mangel. Bei anderen siehst du sofort, was zu tun wäre, und bei deinem eigenen Thema stehst du davor wie vor einer fremden Tür. Das ist keine Ausnahme, das ist der Normalfall. Ja.
Dazu kommt, dass wir uns halt mit Menschen vergleichen, die das komplette Gegenteil ausstrahlen. Die tun, als hätten sie eine Formel, und verkaufen dir diese Formel dann auch gleich. Was du nicht siehst, sind ihre eigenen Fragezeichen, denn die posten sie schon aus Prinzip nicht. Ich hab das in Reichweite oder Sichtbarkeit mal auseinandergenommen.
Du willst einmal gemeinsam auf deine zehn Beiträge schauen?
Im Erstgespräch schauen wir an deinem konkreten Beispiel, was du längst siehst und noch nicht benennst. 15 Minuten, kostenlos, kein Verkauf.
Der Unterschied zwischen nicht verstehen und nicht hinschauen
Es gibt einen Punkt, an dem ich unbequem werde, und der gehört hier auch hin. Nicht jedes ich check gar nichts ist berechtigt.
Manchmal steckt dahinter, dass jemand seit zwei Jahren dieselbe Sorte Beitrag postet, nie nachschaut, was davon eigentlich ankommt, und dann sagt, sie versteht es nicht. Das ist dann halt kein Verstehensproblem, sondern schlicht nicht hingeschaut. Die Zahlen liegen da, sie sind gratis, und sie brauchen zwanzig Minuten im Monat. So.
Der Unterschied ist leicht zu prüfen. Wenn du sagen kannst, welcher deiner letzten zehn Beiträge am meisten geteilt wurde und was er anders gemacht hat, dann checkst du ja sehr wohl etwas, und dein Satz stimmt schon mal nicht. Wenn du es nicht sagen kannst, dann hast du keine Wissenslücke, sondern eine Gewohnheitslücke, und die ist deutlich einfacher zu schliessen. Mehr dazu in Kunden statt Follower.
Ich schreib das mit Absicht so direkt, weil ich diese Frauen kenne und weil ich weiss, wie schnell aus einem ich versteh das nicht ein ich lass es lieber wird. Was dabei hilft, ist selten mehr Wissen, sondern jemand, der einmal mit draufschaut, und darüber hab ich in Muss ich mein Business allein schaffen? ausführlicher geschrieben.
Zum Mitnehmen: Die Mechanik hat oft gar keine stabile Antwort, da ist wirklich nichts zu checken. Was du sehr wohl siehst, ist, welche deiner eigenen Beiträge geteilt werden und warum. Zwanzig Minuten im Monat reichen dafür.
Was du in den nächsten zwanzig Minuten tun kannst
Nimm dir deine letzten zehn Beiträge vor, ganz egal auf welchem Kanal, und schreib dir zu jedem zwei Dinge auf. Erstens, wie oft er geteilt oder gespeichert wurde, nicht die Likes. Zweitens, ob darin dein Angebot vorkam oder dein Leben mit dem Angebot.
Dann schau dir die drei stärksten an und such nach dem, was sie gemeinsam haben. Meistens fällt es dir sofort auf, und meistens ist es eben nicht das, was du erwartet hättest.
Danach hast du immer noch keine Formel, und du wirst auch weiterhin nicht wissen, ob dir irgendein fremder Account schadet. Aber du hast etwas, das die Mechanik dir nie geben kann, nämlich eine echte Beobachtung über deine eigenen Leute. Und das ist der Teil, der sich nicht jeden Herbst wieder ändert.
Diese Frau hat ihre Beobachtung ja längst gemacht, sie hat sie nur für einen Zufall gehalten. Ich vermute, dir geht es ganz ähnlich, und dein Satz stimmt einfach nicht. Genau.
Häufige Fragen dazu
Ich bin seit Jahren selbständig und versteh Instagram trotzdem nicht. Ist das normal?
Ja, und es kommt sogar häufiger von Erfahrenen als von Anfängerinnen. Die Ansprüche wachsen halt mit, und jede Lücke fühlt sich irgendwann nach Mangel an statt nach Lernaufgabe. Dazu kommt, dass ein grosser Teil der Kanal-Mechanik gar keine stabile Antwort hat.
Schaden fremde Accounts, die meinen Beiträgen folgen, meiner Reichweite?
Das kann dir niemand seriös beantworten, auch nicht die Leute, die dir Kurse dazu verkaufen. Die Regeln ändern sich laufend und gelten nicht für alle gleich. Deine Zeit ist besser investiert, wenn du anschaust, welche deiner eigenen Beiträge geteilt werden und warum.
Warum läuft es besser, seit ich weniger Werbung poste?
Weil du dann eigentlich automatisch etwas anderes zeigst, nämlich wie dein Alltag mit der Sache aussieht. Menschen kaufen den Zustand, in dem sie sich danach vermuten, und nicht das Produkt. Das ist eine der wenigen Regeln, die wirklich stabil bleiben.
Woran merke ich, ob ich wirklich etwas nicht verstehe?
Frag dich, welcher deiner letzten zehn Beiträge am meisten geteilt wurde und was er anders gemacht hat. Wenn du das beantworten kannst, verstehst du schon mehr, als du denkst. Wenn nicht, hast du keine Wissenslücke, sondern eine Gewohnheitslücke.
Muss ich dafür Statistiken auswerten können?
Nein. Es reicht, zehn Beiträge nebeneinanderzulegen und zwei Spalten zu führen, geteilt oder gespeichert, und ob dein Angebot vorkam oder dein Leben damit. Zwanzig Minuten im Monat reichen völlig.
Wenn du da nicht allein draufschauen willst
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Füchsische Grüsse, Diana 🦊

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