Ich sass letzte Woche beim Friseur und hab was entschieden, das ich über zwanzig Jahre mit mir rumgetragen hab. Ich färb meine Haare nicht mehr. Zwanzig Jahre blondiert, und auf einmal war einfach klar: das brauch ich nicht mehr, das hat mir eh mehr genommen als gegeben.
Und weisst du was, in dem Moment, wo ich das ausgesprochen hab, ist irgendwas in mir leichter geworden. So ein richtiges Aufatmen. Wie wenn du was hinstellst, das du viel zu lange getragen hast.
Genau dieses Gefühl wünsch ich dir für diese Woche. Denn wir sind an der Halbzeit, das halbe Jahr ist rum. Und bevor du in die zweite Hälfte gehst, lohnt sich der Blick, den die meisten überspringen.
Halbzeit: der Blick, den die meisten überspringen
Jahresrückblicke kennt jede. Aber im Juli, mitten im Jahr, ehrlich hinschauen? Das macht kaum jemand, dabei ist genau jetzt der beste Moment: Die ruhige Sommerzeit ist nicht zum Verstecken da, sie ist zum Bauen da. Alles, was dich im Herbst tragen soll, fängt jetzt an, und zwar im Kopf. Mit Klarheit.
Klarheit heisst dabei nicht «mach mehr». Klarheit heisst: du guckst hin. Was lief eigentlich gut in diesem halben Jahr, wo hast du dich lebendig gefühlt? Was hat dich gezogen, was hast du nur aus Pflichtgefühl gemacht, weil man das halt so macht? Und was davon darfst du jetzt einfach hinstellen, so wie ich mein Blondieren?
Weil ehrlich, wir schleppen so viel mit. Die zweite Plattform, die wir nie richtig bespielt haben. Das Format, das uns jedes Mal Bauchweh macht. Das Angebot, an das eh keiner anbeisst. Und solange das alles mitläuft, ist im Kopf kein Platz für das, was im Herbst wirklich zählt. Erst wenn du was hinstellst, hast du die Hände frei. So ist das.
Die drei Spalten: Lief. Zehrte. Lass ich.
So geht mein Halbjahres-Blick, du brauchst dreissig Minuten, ein Blatt und Ruhe:
- Mach drei Spalten auf: Lief. Zehrte. Lass ich.
- Lief: mindestens drei Sachen, bei denen du dich leicht oder lebendig gefühlt hast. Konkret. Nicht «Content», sondern «die Reels, wo ich einfach drauflos gesprochen hab».
- Zehrte: mindestens drei Sachen, die dir Energie gezogen haben. Der Kanal, der sich immer wie Hausaufgabe angefühlt hat. Das Ding, wo du jedes Mal denkst «muss ich auch noch».
- Lass ich: mindestens eine Sache, die du im zweiten Halbjahr bewusst weglässt. Guck in deine Zehrte-Spalte, da liegt sie meistens schon.
- Und der wichtigste Schritt: Kreis EINE Sache ein, die du wirklich schon diese Woche hinstellst. Nicht irgendwann. Diese Woche. Schreib in einem Satz dazu, was du mit der freien Zeit machst.
Wenn dreissig Minuten gerade nicht drin sind: Füll nur die Spalte «Lass ich» aus und nimm dir die eine Sache raus, die dich am meisten nervt. Eine Sache hinstellen ist schon der ganze Gewinn, und das Aufatmen gibt es gratis dazu.
Woher dieser Text kommt
Kleiner Blick hinter die Kulissen: Das hier war zuerst kein Blogartikel, sondern ein Wochen-Impuls an mein Klartext-Kollektiv. Dort bekommen die Frauen jede Woche so einen Impuls mit einer konkreten Aufgabe, posten ihre drei Spalten in unsere Gruppe und bauen gerade gemeinsam ihr Fundament für den Herbst. Wenn du beim Lesen gedacht hast «genau sowas bräuchte ich regelmässig, und Frauen, die mitmachen»: schau dir das Kollektiv an.
Füchsische Grüsse, Diana 🦊
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