Auf der Packung stehen fünf Minuten. Und dann sitzt du da und denkst: das kann doch nicht reichen.
Letzte Woche in einem Call kam genau diese Frage, und was danach passierte, fand ich fast interessanter als die Frage selbst. Innerhalb von zwei Minuten standen drei verschiedene Antworten im Chat.
Eine sagte: fünf Minuten stehen drauf, ich lass sie gern auch mal dreissig drauf, wenn es die Zeit zulässt. Eine andere fragte: geht auch über Nacht? Die dritte antwortete: sollte man nicht machen, dann lieber das Öl nehmen. Und eine vierte schrieb: ich mach die Kur manchmal am Vortag aufs trockene Haar und lass sie über Nacht drauf.
Vier Frauen, vier Antworten, und alle machen es seit Jahren. Das ist der Grund für diesen Text.
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Warum die Zeit überhaupt eine Rolle spielt
Es hilft, sich einmal vorzustellen, was da passiert.
Dein Haar hat aussen eine Schuppenschicht, ungefähr wie Dachziegel. Wasser hebt die leicht an, Shampoo hebt sie weiter an. In diesem geöffneten Zustand kann etwas hinein, und genau dafür ist die Kur da. Der Conditioner danach legt die Ziegel wieder an.
Das heisst: die Kur braucht Zeit, weil das Hineingehen nicht sofort passiert. Aber es heisst auch, dass es einen Punkt gibt, an dem nichts mehr hineingeht, weil voll ist voll.
Eine Teilnehmerin hat das im Chat sehr trocken auf den Punkt gebracht: müsste nicht viel bringen, weil das Haar ja irgendwann voll ist, denke nach zwanzig bis dreissig Minuten wird da nicht mehr viel aufgenommen. Das deckt sich mit dem, was ich an mir beobachte.
Was ich selbst mache
Für die Einwirkzeit schaue ich auf die Angaben zur jeweiligen Kur. Die Empfehlungen aus einem Gespräch können sich auf ganz unterschiedliche Produkte beziehen. Deshalb würde ich fünf Minuten, eine halbe Stunde oder über Nacht nicht zu einer allgemeinen Regel machen. Entscheidend ist, was für die konkrete Kur angegeben ist.
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Und die Frage mit über Nacht, ehrlich beantwortet
Da will ich dir nichts vormachen: darüber sind sich erfahrene Leute nicht einig, und ich hab keine Studie, die es entscheidet.
Was für mich gegen die Kur über Nacht spricht: wenn nach dreissig Minuten ohnehin nicht mehr viel aufgenommen wird, sind die restlichen sieben Stunden kein Gewinn. Dazu kommt, dass eine feuchte Kopfhaut über Stunden nichts ist, was ich anstrebe.
Was ich stattdessen über Nacht mache: das Öl. Das ist ein Produkt, das ausdrücklich für lange Einwirkzeiten gedacht ist und vor der Wäsche kommt, nicht danach. Eine Pipette scheitelweise auf die Kopfhaut, einmassieren, morgens waschen. Das ist bei mir der feste Ablauf.
Wenn du die Kur schon länger über Nacht machst und zufrieden bist, hab ich keinen Grund, dir das auszureden. Ich sag nur, was ich tue und warum.
Kur und Conditioner sind nicht dasselbe
Das hab ich lange durcheinandergebracht, und ich glaub, damit bin ich nicht allein.
Die beiden haben unterschiedliche pH-Werte. Beide sind sauer eingestellt, aber die Kur weniger als der Conditioner. Die Kur bringt etwas hinein, der Conditioner legt die Schuppenschicht wieder an, und dadurch entsteht der Glanz. Licht, das an einer geschlossenen Oberfläche reflektiert wird, sieht glänzend aus. Wo es verschluckt wird, sieht Haar stumpf aus.
Deshalb ersetzt das eine das andere nicht. Wenn ich wenig Zeit habe, lasse ich eher die Kur weg als den Conditioner, nicht umgekehrt.
Zum Mitnehmen:
Fünf Minuten sind besser als nichts, zwanzig bis dreissig sind der Punkt, an dem es sich für mich lohnt, und länger bringt bei mir nichts mehr. Mehr Produkt ersetzt keine Zeit. Und was über Nacht darf, ist bei mir das Öl vor der Wäsche, nicht die Kur danach.
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Häufige Fragen zur Einwirkzeit
Wie lange muss die Haarkur einwirken?
Auf der Packung steht meist eine kurze Zeit, und die ist besser als keine Kur. Bei mir liegt der Punkt, an dem ich einen Unterschied merke, bei zwanzig bis dreissig Minuten. Länger mache ich nicht, weil ich darüber hinaus nichts mehr merke.
Kann ich die Kur über Nacht drauflassen?
Darüber sind sich erfahrene Leute nicht einig, ich habe dafür keine belastbare Quelle. Ich mache es nicht: wenn nach einer halben Stunde ohnehin wenig aufgenommen wird, sind die restlichen Stunden kein Gewinn, und eine feuchte Kopfhaut über Nacht strebe ich nicht an. Über Nacht mache ich stattdessen das Öl vor der Wäsche.
Bringt mehr Produkt eine kürzere Einwirkzeit?
Nein. Eine dickere Schicht wirkt nicht schneller, sie wird nur schwerer auszuspülen. Mehr Zeit ist mehr, mehr Produkt nicht.
Was ist der Unterschied zwischen Kur und Conditioner?
Sie sind unterschiedlich sauer eingestellt. Die Kur bringt etwas in die leicht geöffnete Schuppenschicht hinein, der Conditioner legt sie wieder an, und daraus entsteht der Glanz. Das eine ersetzt das andere nicht.
Wenn ich nur Zeit für eins habe, was lasse ich weg?
Bei mir eher die Kur als den Conditioner. Der Conditioner ist der Schritt, der die Schuppenschicht wieder schliesst, und das merke ich sofort am Kämmen und am Glanz.
Wenn dich das hier trifft, dann liest du als Nächstes:
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Füchsische Grüsse, Diana 🦊

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