«Und was machst du so?» Wenn bei dir danach ein Satz anfängt, der nie fertig wird, weil es drei Sachen sind und keine allein die ganze Wahrheit ist, dann bist du hier richtig. Zehn Frauen haben genau diesen Satz aufgeschrieben. Nicht die kurze Fassung für die Visitenkarte, sondern die echte.
Im August hab ich zur Blogparade «Vielseitig selbständig» eingeladen, mit einer Frage: Wie passen deine vielen Themen unter ein Dach? Bis zum 14. September sind zehn Antworten gekommen. Sechs auf eigenen Blogs, vier auf LinkedIn, weil ein Blog keine Voraussetzung war. Hier sind sie alle, jede mit ihrem eigenen Dach.
Sieben behalten alles, drei haben zugespitzt. Und alle zehn haben denselben Rat gehört.
Wer viele Themen hat, hört fast immer denselben Rat: entscheide dich, werde Expertin für eine Sache. Sieben der zehn haben ihn nicht befolgt und stattdessen den Satz gefunden, der ihre Themen verbindet: Gesundheit, Klarheit, Fülle, ein roter Faden hinter den Angeboten. Drei haben zugespitzt, und auch bei ihnen lohnt sich das Lesen, weil keine davon sich kleiner gemacht hat: die eine hat nur ihre Website auf ein Thema gestellt, die zweite ein Angebot gewählt und nennt ihren Fokus ein Haus mit vielen Zimmern, die dritte hat Angebote gestrichen, nicht Themen.
Das ist mein Punkt, und ich meine ihn ernst: Zuspitzen ist in Ordnung, wenn es deine Entscheidung ist. Weglassen, damit andere dich verstehen, ist etwas anderes, und das hat keine der zehn getan. Bei mir heisst der Satz «Fux macht’s einfach». Bei den zehn liest du ihn jetzt.
Die zehn Beiträge, in der Reihenfolge, in der sie gekommen sind.
Stephanie Petermann hat den Anfang gemacht, am 17. August, und zwar ohne eigenen Blog. Ihr Text steht als LinkedIn-Artikel, und er heisst wie ihr Dach: «Mein vielseitiger Lebenslauf ist kein Umweg. Er ist meine Stärke». Wer seinen Lebenslauf bisher als Sammlung von Abzweigungen erzählt hat, liest ihn danach anders.
Christina Archut hat Pharmazie studiert, in der Apotheke gearbeitet, dann Kinder- und Seniorentanz unterrichtet, und berät seit 2020 zu Trinkwasserqualität. Ihr Beitrag «Wasser und Tanzen: wie passt das zusammen?» stellt die Frage, die ihr alle stellen, und beantwortet sie mit einem Satz: präventiv und ganzheitlich etwas für die Gesundheit tun. Darunter passt beides.
Judith Krochmann, die Klarheitsstifterin, hat auf LinkedIn geantwortet, und ihr Satz ist eine Aufforderung: den Mut haben, mal zu sagen «anders, einzigartig und individuell» zu sein. Bei ihr ist die Vielseitigkeit kein Problem, das gelöst wird, sondern der Punkt, an dem man sich zeigt.
Peggy Zöllner schreibt über SEO, und trotzdem nicht nur. Warum, erklärt sie in «Warum ich nicht nur über SEO schreibe. Vielseitig im Business». Wer sich fragt, ob das zweite Thema die Expertise im ersten schwächt, findet bei ihr die Antwort einer Frau, die genau das durchgerechnet hat.
Christine Schein hat ihren Beitrag ebenfalls auf LinkedIn geschrieben, und ein Satz aus ihrem Kommentar ist hängengeblieben: die Parade hat es «angenehmer und freier» gemacht, sich zu zeigen. Das ist der stille Nutzen einer Frage, die viele gleichzeitig beantworten. Man ist beim Antworten nicht allein.
Lisa Kelting ist Pfarrerin und selbständig, und das ist nicht das Einzige, was bei ihr unter einem Dach wohnt. «Vielseitig selbständig als Pfarrerin: ehrlich erzählt» war ihre erste Blogparade überhaupt. Ehrlich erzählt heisst bei ihr: mit den Stellen, an denen es nicht zusammenpasst, nicht nur mit denen, an denen es glänzt.
Lena von canophea.com hat den Aufruf zum Anlass genommen, «endlich mal wieder zu schreiben». Ihr Beitrag heisst schlicht «Vielseitig selbstständig», und manchmal ist genau das der Grund, den es braucht: eine Frage von aussen, damit der eigene Text wieder anfängt.
Janina Fischer hat für ihren Beitrag ihre Webseite rechtzeitig online gestellt. Das steht hier, weil es die Frage beantwortet, die viele vor dem Mitmachen stellen: brauche ich dafür eine fertige Seite? Nein, aber es darf der Anlass sein, sie fertig zu machen. Ihr Text: «Positionierung war meine grösste Baustelle». Wer beim Wort Positionierung innerlich zusammenzuckt, liest bei ihr, wie die Baustelle zur Adresse wurde.
Michaela Hofstetter von alivora.de hat ihren Beitrag «Nicht alles muss eine Nische sein» genannt, und ihr Satz dazu ist der, den ich am liebsten in Stein meisseln würde: «Ich muss gar nicht alles in eine enge Nische packen, wichtiger war, den roten Faden dahinter zu erkennen.» Das ist die ganze Parade in einem Satz.
Nicole Rupp von geldbeziehung.com kam als Zehnte, am Morgen des Einsendeschlusses, mit dem klarsten Titel der Parade: «Ich bin Vielfalt». Kein Wort darin ist eine Entschuldigung dafür, mehr als eine Sache zu sein. Wer für seine Vielfalt bisher ein Wort wie «Unklarheit» benutzt hat, findet bei ihr ein anderes.
Was ich beim Lesen über mich gemerkt hab, und was das mit dir zu tun hat.
Ich bin vielseitig, und ich hab meine Themen unter ein Dach gebracht, das steht oben. Was ich beim Lesen der zehn Beiträge gemerkt hab, ist etwas anderes: die Frau, mit der ich arbeiten will, muss das gar nicht sein. Sie muss nicht drei Standbeine haben, damit sie zu mir passt. Ja, gleiches zieht gleiches an, und um mich herum sind auffällig viele Frauen, die leise sind, sensibel, mit mehr Ideen als Wochenstunden, wahrscheinlich weil ich sie erkenne, wenn sie schreiben. Aber keine von den zehn geht mit ihrer Vielseitigkeit so um wie die andere. Die eine sucht den roten Faden hinter ihren Angeboten, die nächste stellt dafür ihre Webseite fertig, die dritte nennt ihre Nische und behält die Vielfalt darin. Jede hat ihre eigene Art, und jede davon ist in Ordnung.
Der Punkt, um den es wirklich geht, liegt woanders. Du kennst wahrscheinlich das Gefühl, wenn dir jemand von aussen erklärt, wie deine Nische auszusehen hat, und du nickst, und im Bauch sagt etwas: das passt nicht, das stimmt nicht. Ich hab drei Jahre genickt. Bei mir hat sich etwas verschoben, nicht als ich mein Dach gefunden hab, sondern als ich aufgehört hab, mich drücken zu lassen. Ab da darfst du auf dich hören. Und dann gilt: nichts davon ist in Stein gemeisselt. Du wächst, du lernst, du entwickelst dich, und was du heute entscheidest, muss morgen nicht mehr richtig sein. Das ist keine Schwäche im Dach, das ist die Bauweise.
So sieht mein Dach aus, nach aussen und nach innen.
Damit du weisst, was ich meine, wenn ich «Dach» sage: bei mir sind es eigentlich zwei. Eins gehört dir, wenn du mit mir arbeitest, und eins ist meins. Vielleicht findest du das auf den ersten Blick kompliziert. Mir hilft es, auf den Boden zu kommen, wenn der Kopf wieder voll ist, weil ich dann nur eine Frage stellen muss: welche Säule stärkt das gerade, und mit welchem Werkzeug.
Die Säulen sind, was du am Ende hast. Die Werkzeuge sind, womit wir hinkommen.
Ich hab drei Jahre gebraucht, bis diese zwei Kästen so dastanden, und sie sind heute anders als vor einem Jahr. Deins darf ganz anders aussehen, andere Säulen, andere Werkzeuge, ein anderes Wort auf dem Dach. Es muss nur die eine Frage beantworten, die alle zehn oben beantwortet haben: was hält bei dir alles zusammen.
Die Frage: Vielseitig selbständig: Wie passen deine vielen Themen unter ein Dach?
Du kannst sie beantworten, wie du willst, halt so, wie es bei dir wirklich aussieht. Vielleicht helfen dir diese Leitfragen:
- Welche Themen trägst du in dir, und welche davon zeigst du öffentlich?
- Gibt es eins, das du versteckst, und warum eigentlich?
- Was ist dein gemeinsamer Nenner, die Haltung hinter allem?
- Und wenn du dein Dach schon gefunden hast: wie sah der Weg dahin aus?
Für die nächste Parade reicht ein Ort, an dem dein Text steht.
Vier der zehn Beiträge stehen auf LinkedIn, nicht auf einem Blog. Ich sage das so deutlich, weil die häufigste Antwort auf eine Einladung «ich hab ja keinen Blog» ist. Brauchst du nicht. Du brauchst eine Frage, die dich juckt, und einen Ort, an dem der Text danach liegen bleibt. Der Rest ist Mut, und der kommt beim Schreiben, nicht davor.
Dein Takeaway
Zehn Frauen, zehn Dächer, kein gemeinsames Rezept. Sieben haben den Satz gefunden, der ihre Themen verbindet, drei haben sich für einen Schwerpunkt entschieden, und alle zehn haben es selbst entschieden, nicht weil jemand von aussen «mach dich kleiner» gesagt hat. Lies zwei, drei der Beiträge, und schreib dann deinen eigenen Satz auf. Nicht was du alles machst, sondern was es verbindet. Einer reicht, und er darf heute noch schief sein.
Und wenn dein Satz nach dem dritten Anlauf immer noch nicht steht?
Dann liegt es meistens nicht an deinen Themen, sondern daran, dass du zu nah dran bist, um zu sehen, was sie verbindet. Bring mir deine drei Themen mit, wir schauen in fünfzehn Minuten, welcher Satz sie trägt, weil das von aussen oft in einem Gespräch sichtbar wird, wonach du allein seit Monaten suchst. Kein Vorgespräch, keine Vorbereitung.
Füchsische Grüsse, Diana 🦊
Lieber erst unter Frauen, die dieselbe Frage stellen?
Im Hafen sitzen selbständige Frauen mit mehr als einem Thema am selben Tisch, jeden Mittwoch, und sonntags kommt ein Impuls mit Aufgabe. Dort bringst du die eine Stelle mit, an der du gerade hängst.
Wenn dich das hier trifft, dann liest du als Nächstes:
Kann ich noch bei der Blogparade mitmachen?
Der Einsendeschluss war der 14. September 2026, diese Übersicht ist die Sammlung. Wenn du die Frage für dich beantworten willst, schreib den Text trotzdem und verlinke den Aufruf. Ich lese jeden Beitrag, und in die Liste nehme ich nachträglich niemanden mehr auf, damit die zehn ihren Platz behalten.
Brauche ich einen eigenen Blog, um bei einer Blogparade mitzumachen?
Nein. Vier der zehn Beiträge stehen auf LinkedIn. Es reicht ein Ort, an dem dein Text dauerhaft steht und den man verlinken kann.
Was verbindet die zehn Beiträge?
Sieben der zehn haben kein Thema gestrichen, drei haben zugespitzt. Alle zehn haben benannt, was ihre Themen verbindet, und alle zehn haben selbst entschieden, wie viel davon nach aussen sichtbar ist. Das Dach heisst bei jeder anders.
Wenn du gern weiter mitlesen möchtest:
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