Diana Fux
Mentorin für selbständige Frauen · diana-fux.com

Bei anderen sehe ich sofort, was zu tun ist. Bei mir nicht.

Pinterest-Pin mit dem Satz «Bei anderen sehe ich sofort, was zu tun ist. Bei mir nicht.»

Du sitzt mit einer Freundin am Tisch, sie erzählt dir zehn Minuten von ihrem Business, und du siehst drei Dinge sofort.

Der Einstieg auf ihrer Angebotsseite passt nicht zu dem, was sie eigentlich verkauft. Sie verbringt Stunden mit Instagram, obwohl ihr Schreiben viel leichter fällt. Und die Idee, die sie seit Wochen kleinredet, ist ziemlich genau die, bei der du hellhörig wirst.

Du sagst ihr das. Sie schaut dich an, als hättest du gerade einen Vorhang aufgezogen.

Dann gehst du nach Hause, öffnest dein eigenes Zeug und denkst: Ja super. Und bei mir?

Bei dir liegen zwölf Tabs offen, drei Notizen widersprechen sich, an einem Angebot schraubst du seit Wochen, und plötzlich ist von diesem messerscharfen Blick nichts mehr übrig.

Bei anderen stehst du daneben, bei dir stehst du mitten drin

Bei deiner Freundin hörst du eine Geschichte von aussen. Du kennst nicht jede Version ihrer Startseite. Du erinnerst dich nicht daran, warum sie vor sechs Monaten genau diesen Satz gewählt hat. Du hast keine emotionale Beziehung zu dem Kurs, den sie gekauft, halb gemacht und später umgebaut hat.

Du hörst, was sie heute sagt.

Bei deinem eigenen Business sitzt die ganze Vorgeschichte mit am Tisch. Du weisst, warum dieses Angebot entstanden ist. Du kennst die Kundin, wegen der du jene Formulierung behalten hast. Du erinnerst dich an den Post, der einmal gut lief, und an die Idee, die jemand vor zwei Jahren ziemlich doof fand.

Alles davon kann stimmen. Und alles davon redet mit.

Das hat wenig damit zu tun, ob du dein Handwerk kannst. Du bist einfach näher dran.

Ich mag dafür das Bild vom Kreisel: Ich bin die Beifahrerin, die sieht, dass du im Kreisel schon dreimal rum bist. Als Fahrerin denkst du währenddessen vielleicht noch: Die nächste Ausfahrt könnte es sein. Oder die danach. Ich schau lieber noch einmal.

Von aussen sieht man irgendwann nur noch: Wir waren hier schon.

Viel gelernt zu haben macht den eigenen Blick nicht automatisch leichter

Ich kenne das selbst ziemlich gut.

Ich habe Kurs um Kurs gekauft, Dinge gelernt, verstanden, aufgeschrieben und konnte sie bei anderen wunderbar erkennen. Nur auf mich selbst ummünzen konnte ich vieles lange nicht.

Das ist ein eigenartiges Gefühl, weil Wissen ja eigentlich helfen sollte. Und dann sitzt du da und denkst: «Ich hab so viel gelernt, und trotzdem kommt irgendwie nichts dabei raus.»

Mehr Wissen löst dieses Problem nicht zwingend.

Du kannst sehr genau wissen, wie Positionierung funktioniert, und trotzdem nicht sehen, welcher Satz auf deiner eigenen Seite gerade alles verwässert. Du kannst anderen erklären, welche Inhalte sie posten könnten, und bei deinem eigenen Redaktionsplan auf eine weisse Seite schauen. Du kannst sofort hören, dass eine Freundin eigentlich längst weiss, welches Angebot sie streichen will, und bei deinen eigenen fünf Angeboten für jedes noch sieben gute Gründe finden.

Das ist übrigens ein ziemlich guter Ertappt-Moment: Je weiter weg jemand ist, desto kompetenter wirkt er.

Bei der Kollegin reichen zehn Minuten Gespräch. Für dich selbst brauchst du drei Notizbücher, zwei Kurse und noch kurz eine neue Notion-Seite.

Wenn du dich darin erkennst, ist der Ausweg nicht, dich dafür auszulachen. Du kannst dir ein paar künstliche Meter Abstand bauen.

Schreib erst auf, was gerade passiert, und erklär es noch nicht

Der erste Handgriff klingt fast zu einfach: Beschreib die Situation, bevor du sie deutest.

Nicht «Meine Positionierung funktioniert nicht», schreib lieber: «Wenn mich jemand fragt, was ich mache, nenne ich vier verschiedene Dinge.»

Aus «Ich bin schlecht in Content» wird: «Ich habe diese Woche sieben Ideen notiert und keine veröffentlicht.»

Aus «Mein Angebot verkauft sich nicht» wird: «In den letzten vier Gesprächen habe ich mein Angebot jedes Mal anders erklärt.»

Der Unterschied ist wichtig, weil eine Erklärung sehr schnell zur Wahrheit wird. Eine Beobachtung kannst du noch anschauen.

Wenn du allein denkst, kreist du ausserdem leicht in denselben Formulierungen. Sobald du etwas aufschreibst oder laut aussprichst, hörst du plötzlich Stellen, über die du vorher einfach hinweggegangen bist.

Das ist auch der Grund, warum in Gesprächen oft so viel Material auftaucht. Allein denkst du nur, du sprichst es nicht aus. In einem Gespräch kommen dagegen laufend Sätze zustande, die du danach weiterverwenden kannst.

Du kannst diesen Effekt ein Stück weit nachbauen. Nimm eine konkrete Frage und beantworte sie so, als würdest du einer Freundin eine Sprachnachricht schicken. Ohne Fachbegriffe, ohne daraus gleich eine Strategie machen zu wollen.

Was passiert gerade wirklich?

Tu so, als wäre es für eine Kundin, und hör auf deinen ersten Satz

Der zweite Handgriff ist ein kleiner Perspektivwechsel.

Nimm die Sache, bei der du festhängst, und stell dir vor, eine Kundin oder Kollegin würde sie dir genauso erzählen. Eine echte Frau, die dir am Küchentisch genau diese Sätze sagt.

Was würdest du als Erstes fragen? Welcher Satz würde dir auffallen? Wo würdest du sagen: Warte mal, erzähl mir den Teil noch einmal?

Schreib nur diese erste Reaktion auf. Noch keine Lösung und keinen Sieben-Punkte-Plan.

Oft ist genau diese erste Frage interessant, weil du bei anderen nicht sofort versuchst, alle Eventualitäten gleichzeitig zu retten.

Bei dir selbst machst du das gern. Zumindest kenne ich das von mir.

Such nicht nach der perfekten Lösung, such nach dem nächsten Test

Der dritte Handgriff schützt dich davor, aus dem Perspektivwechsel direkt das nächste Grossprojekt zu machen.

Wenn dir etwas auffällt, frag: Was könnte ich damit klein testen?

Wenn du merkst, dass du dein Angebot jedes Mal anders erklärst, musst du nicht die komplette Website neu schreiben. Formuliere einen Satz und benutze ihn in den nächsten drei Gesprächen.

Wenn du sieben Contentideen hast und keine veröffentlichst, brauchst du nicht zwingend einen neuen Contentplan. Nimm eine Idee und mach sie fertig.

Wenn du bei deiner Angebotsseite am Einstieg hängenbleibst, ändere erst den Einstieg und schau, was passiert, bevor du Seite, Funnel, Farben und Produktnamen gleichzeitig anfasst.

Das ist keine Garantie, dass der erste Test richtig liegt. Er gibt dir nur etwas, das dein eigenes Denken dringend braucht: neue Information.

Solange du im Kopf dieselben Möglichkeiten gegeneinander hältst, kommt wenig Neues dazu. Sobald du etwas ausprobierst, hast du eine Reaktion, einen Satz aus einem Gespräch, eine Zahl oder ein Gefühl beim Erklären, irgendetwas, womit du weiterarbeiten kannst.

Die drei Handgriffe auf einen Blick
Beschreib die Situation, bevor du sie deutest. Schreib auf, was du eine Kundin als Erstes fragen würdest. Und mach daraus einen kleinen Test statt eines Grossprojekts.

Selbst Abstand bauen hilft, nur irgendwann sitzt du wieder auf dem Fahrersitz

Diese Handgriffe können viel.

Sie können dir helfen, aus einem grossen «Irgendwas stimmt nicht» eine konkrete Beobachtung zu machen. Sie können verhindern, dass du aus jeder Unsicherheit gleich einen Komplettumbau machst. Und sie können dir einen nächsten Test geben, statt noch eine Woche nachzudenken.

Es gibt trotzdem Stellen, an denen du allein wieder im selben Kreisel landest.

Du bist weiterhin die Person, die alle Gründe kennt. Du kannst beim Aufschreiben merken, dass du vier Angebote nennst, und dir danach sehr überzeugend erklären, warum wirklich alle vier bleiben müssen.

Du kannst deine Situation wie die einer Kundin betrachten und trotzdem an genau der Stelle grosszügig vorbeischauen, an der du seit Monaten vorbeischaust.

Das ist die Grenze.

Ein Blick von aussen besitzt Informationen, die du dir selbst nur schwer geben kannst: Er hört, welche Sätze du betonst. Er merkt, wo du dich wiederholst. Er kennt nicht jede alte Begründung und muss sie deshalb auch nicht verteidigen.

Und manchmal sagt jemand einfach: «Weisst du, was mir gerade auffällt?»

Dann ist der Kreisel plötzlich wieder ein Kreisel.

Wenn du beim dritten Durchgang wieder an derselben Stelle landest

Wenn du die drei Handgriffe ausprobiert hast, also beobachten statt erklären, deine erste Frage an eine Kundin aufschreiben und daraus einen kleinen Test machen, hast du schon einiges selbst getan.

Und wenn du danach merkst, dass du wieder dieselben Argumente gegeneinander schiebst, ist genau das eine brauchbare Information.

Dann musst du nicht noch den zwölften Tab öffnen.

Weil du dein Business von innen längst gut genug kennst, kann an dieser Stelle ein Blick von aussen helfen, die Wiederholung zu sehen, die dir selbst entgeht.

Du drehst dich seit Wochen an derselben Stelle im Kreis?
In der Klartext-Session bringst du genau diese Stelle mit. Du musst vorher nicht wissen, wie das Problem heisst. Danach weisst du, was als Nächstes dran ist.

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Diana Fux, Mentorin für selbständige Frauen

Diana Fux · Mentorin für selbständige Frauen · Blick von aussen

Ich bin Diana und begleite selbständige Frauen bei Fragen zu ihrem Angebot, ihren Inhalten und der Umsetzung. Ich denke mit, frage nach und schaue mir an, was schon da ist. Hier im Blog teile ich eigene Erfahrungen über Business und Network, praktische Anregungen für deine Selfcare, Ordnung im System mit Notion und KI und Gastbeiträge anderer selbständiger Frauen. Fux macht's einfach: erst hinschauen, dann mutig los 🦊

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